Abschnitt 1 - (22. und 23.06.2007)

Die Anreise


Flughafen Köln: Unser Flieger kommt aus Prag und hat ca. eine Stunde Verspätung. Abflug ist deshalb nicht wie vorgesehen 14:00 Uhr, sondern 15:00 Uhr, Landung in Stockholm Arlanda um 16:45. Wir checken aus und holen unser Gepäck. Um 17:15 sind wir fertig für die Weiterreise, die uns mit dem Zug über Uppsala nach Långsele und von dort per Bus nach Kramfors führen soll. Wir begeben uns also zu Arlanda "Central" Station.

Wider erwarten findet sich dort eine Haltestelle, die bei uns als S-Bahn-Stop durchgehen könnte. Ein Mann am Schalter ist bemüht, mir zu erklären, dass er mir keine Fernfahrkarte verkaufen könne, nur Nahverkehrsfahrkarten der "Upplands Lokaltrafik". Er verweist auf zwei Fahrkartenautomaten der SJ, an denen man natürlich nur per Kredit-/Bankkarte bezahlen kann. Ob der Automat meine EC-Mastro-Karte angenommen hätte, wei´┐Ż ich nicht. Denn die Verbindung Arlanda-Långsele-Kramfors kennt der Apparat nicht. Auf Arlanda "Central" gibt es auch keine überregionale Abfahrtstabelle - jedenfalls finde ich keine. Meine Vorstellung, an einem Fahrkartenschalter eine Karte nach Kramfors zu kaufen, erweist sich im Nachhinein als ziemlich wirklichkeitsfremd. Mir gelüstet nach einem "normalen" Bahnhof mit Abfahrtstabelle, der in mein Weltbild passt und buche beim netten Herrn am Schalter für Christoph und mich ein Flygtågbiljett nach Uppsala, pro Person 105,- SEK.

Abfahrt Arlanda 18:54, Ankunft Uppsala 19:30. Gelobt seist Du, Uppsala. Dein Bahnhof hat eine Abfahrtstabelle und darauf ist auch der Zug nach Långsele notiert, Abfahrt 23:00 Uhr - täglich (Dagl.). Mittlerweile ist mir klar geworden, dass wir genau zu Mittsommernacht in Schweden angekommen sind, wobei für die Schweden Mittsommernacht direkt nach Weihnachten kommt. Ich stelle meine Befürchtungen beiseite, dass der Zug deswegen ausfallen würde, und vertraue auf das "Dagl.". Bild 01 - Uppsala Am türkischen Bahnhofsgrill fassen wir erst einmal Essen und Trinken, setzen uns an den Brunnen vorm Bahnhof (Bild 01) und geniessen das gute Wetter, die Helligkeit am einbrechenden Abend und den Blick auf die Burg von Uppsala. Ab ca. 21:00 Uhr ist unser Zug nach Långsele auch auf den Bildschirmen mit den Abfahrtszeiten aufgeführt. Es folgt Wasserbunkern und Zähneputzen auf der Bahnhofstoilette und dann warten, warten, warten.

Pünktlich wie die Bundesbahn zu öffentlich-rechtlichen Zeiten fährt der Zug, der uns nach Långsele bringen soll, im Bahnhof ein. Kein Zug der SJ, sondern der Gesellschaft Veolia (aber Zugaufschrift Connex). Abfahrt 23:00 Uhr. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass wir zu weit vorne eingestiegen sind, nämlich da, wo die Schlafwagenabteile sind (am Ende des Zuges sind ebenfalls Schlafwagenabteile, also möglichst in Zugmitte einsteigen!). Mit den Rucksäcken ist es schwierig aufgrund der Enge der Gänge, in den mittleren Teil vorzustoßen, in dem die Wagons mit Sitzplätzen ausgestattet sind (in Fahrtrichtung rechts 2x3 Sitzplätze mit Tisch dazwischen, links 2x1 Sitzplatz dito mit Tisch). Das Ticket Uppsala - Långsele verkauft mir die nette Zugbegleiterin für 500,- SEK, wobei sie nur einen Vuxen berechnet, nachdem ich auf Nachfrage das Alter meines 14-jährigen Sohnes mitgeteilt habe (Trevlig resa!). Wir finden sofort Sitzplätze und ab Gävle können wir uns sogar ausbreiten und einige Mützen Schlaf nehmen.

Um ca. 5:17 Uhr erreichen wir planmäßig Långsele, einen kleinen Ort, der wahrscheinlich nicht nur zu dieser frühen Zeit verschlafen ist. Der Zug von Göteborg nach Luleå scheint offensichtlich der einzige zu sein, der jemals in Långsele hält. Einen Fahrplan für den Lånsbus 95 nach Kramfors finde ich in und um Lånsele stn. nicht. Im Übrigen finde ich überhaupt keine Fahrpläne. Zwei mit mir angekommene Fahrgäste bestätigen mir, dass um 7:05 üblicherweise ein Bus nach Kramfors fährt, sind sich aber nicht sicher, ob er nicht wegen Mittsommernacht ("It's a spezial day"! - fast alle Schweden können Englisch) ausfällt. Spätestens um 7:00 Uhr kommt auch bei ihnen spürbare Ungeduld auf - sie warten nämlich auch auf diesen Bus, und eine zweite Chance gibt's wohl nicht mehr an diesem Tag, dem 23.06.07.

Der Bus kommt genau um 7:04 Uhr, ich bezahle 73,- SEK für einen Vuxen und 37,- SEK für ein Barn. Ankunft Kramfors ist 8:30 Uhr, am Tag nach Mittsommernacht (It's a spezial day also). Die Geschäfte machen nicht wie üblich um 8:00 Uhr, sondern erst um 10:00 Uhr auf (immerhin! In good old Germany bliebe nur der Bäcker oder die Tankstelle). Die Tourist-Information, von der ich mir einen Tipp für das letzte Reisestück zur Högakustenbron erhofft habe, bleibt zu - schade, gerne hätte ich mich nochmals bei Anna Hansson für die Übersendung von Trail guide und Lilla Kartboken bedankt. Also warten wir bis 10:00 Uhr, kaufen dann Olivenöl, Ost in Tuben und Brot sowie eine Limo im Supermarkt. Das wichtigste, den Brennspiritus, bekommen wir dort nicht (kein Spiritus - kein Kochen). Ein Outdoor-Laden (Intersport) macht erst um 12:00 Uhr auf. Zwei befragte Schweden empfehlen uns eine Tankstelle und beschreiben uns den Weg. Dort bekommen wir den Spiritus für unseren Trangia. Bild 02 - Die Högakustenbron Zurück am Busbahnhof mache ich mir nochmals klar, das zur Högakustenbron oder in die Nähe kein Bus fährt - jedenfalls nicht auf die "richtige" Seite. Über die Brücke (Bild 02) laufen soll/darf man wegen der Gefahr durch den Verkehr nicht - so einige Berichte im Internet. Als deutscher Beamter in preußischer Tradition halte ich mich daran und somit bleibt nur das Taxi.

Es ist 11:30 Uhr. An der Telefonzelle am Busbahnhof wähle ich 6# (gemäß Hinweis am Taxiladen im Gebäude des Busbahnhofs) und buche bei der Taxizentrale ein Taxi. Es soll um 12:45 Uhr kommen, eher ginge es nicht, weil wegen Mittsommernacht nur ein Fahrer unterwegs sei - immerhin ist einer unterwegs. Also warten, warten, warten. Das Taxi kommt um 13:15 und bringt uns in ca. 25 Minuten bei Kaiserwetter (kühl und sonnig, wolkenloser, tiefblauer Himmel) durch die traumhafte Landschaft auf die "richtige" Seite der Högakustenbron zum Hotel und Dokumentationszentrum Högakusten, wo der Leden seinen Anfang hat (490,- SEK).